Die Sicherheit eines solchen Reaktors ist natürlich eine der wesentlichen Fragen, die in
diesem Bezug gestellt werden. Nach Angaben der TU-München ist "der FRM-II eine äußerst
sichere Anlage, die nicht nur die strengen Schutzziele erfüllt, sondern das Restrisiko
für die Bevölkerung mindert. Die Dosis, der vom FRM-II ausgehenden Strahlung ist so
vernachlässigbar klein, daß eine Strahlenschädigung für jedermann ausgeschlossen ist."
(Quelle 1, S19; FAZIT). Diese Aussage beruht auf den Sicherheitsaspekten, auf die nun
näher eingegangen werden soll.
Zunächst muß in diesem Kontext erwähnt werden, daß die
Anlage durch zwei Sicherheitsmechanismen geschützt ist. Zum einen durch die inhärenten
(passiven) System, d.h. durch die von der Natur gegebenen Mechanismen, die nicht ausfallen
können und zum anderen durch die aktiven Sicherheitseinrichtungen, d.h. die von den
Wissenschaftlern ersonnenen und installierten Systeme, die für einen reibungslosen
Betrieb sorgen sollen. Die inhärenten Systeme treten automatisch und ohne Aktion des Personals ein,
da sie auf der Wirkung von Naturgesetzen beruhen. Diese Systeme sind aufgrund des extrem kompakten Kerns
beim FRM-II besonders wirksam. Ein Grund hierfür ist, daß das kleinvolumige
Brennelement stark untermoderiert ist, d.h. die Kettenreaktion kann nur durch das
Zusammenwirken von Kerninnerem (H2O-Kühlung) und Kernumgebung (D2O-Moderation) aufrecht
erhalten werden. Jede Abweichung von den Gegebenheiten würde zu einem Abbrechen der
Kettenreaktion führen.
Auf der Anderen Seite gibt es noch die aktiven Systeme, wobei hier
vor allem die zwei voneinander Unabhängigen Abschaltsysteme zu erwähnen wären. Das Erste ist
der Regelstab, der mit Hilfe einer elektromagnetischen Kupplung, die im Notfall ausgekuppelt
werden kann und dann sowohl durch die Schwerkraft, als auch durch das nach unten strömende
Kühlwasser sofort in die Endposition gebracht wird. Das Zweite System sind die fünf
Abschaltstäbe im Moderatortank, die während des Betriebs ganz nach oben gezogen sind,
Abbildung 3: Kühlsysteme des FRM-II (schematisch)
jedoch im Falle einer Störung, d.h. für den hypothetischen Fall, daß bei einem neuen
Brennelement der Regelstab nicht runterfährt, oder sogar nach oben fährt, durch einen
Federmechanismus in ca. 0,5s in ihre untere Position fallen und den Reaktor sicher
abschalten. Desweiteren wären als aktive Sicherheitssysteme noch die drei Kühlkreisläufe zu
nennen, die so gut wie Ausfall sicher arbeiten sollen und nach dem Redundanzprinzip
aufgebaut sind. Um genauer zu sein wird der Reaktorkern mit vier Pumpen, die mit
Schwungrädern und Rücklaufklappen ausgestattet sind, betrieben. Jeweils zwei der Pumpen
sind zu einem Strang zusammengefaßt, wobei jeder der Stränge in der Lage ist, den Kern auf
der richtigen Temperatur zu halten. Dennoch schaltet sich der Reaktor bei der kleinsten
Unregelmäßigkeit im Kühlsystem automatisch ab. Dieser Kühlkreislauf hat eine
Temperaturdifferenz von ca. 15°C zu bewältigen. Im Falle einer Abschaltung laufen sofort
drei Nachkühlpumpen an, die innerhalb von ca. 3h die gesamte Nachwärme des Reaktors durch
Beckenwasser abführen, es braucht wohl nicht erwähnt zu werden, daß auch nur eine einzige
diese Arbeit erledigen könnte und, daß sie an Batterien und Notstromaggregate angeschlossen
sind. Die beiden anderen Kühlsysteme sind ähnlich redundant aufgebaut und bedürfen wohl
keiner weiteren Erläuterung. (siehe "Technische Daten"). Um die Freisetzung von
radioaktivem Material zu verhindern sind drei Barrieren vorgesehen. Zunächst einmal das
Brennelement selber, da durch dessen Form und die Verarbeitung dem Brennstoff die
Möglichkeit genommen wird aus dem Brennelement zu entweichen. Ein weiteres Hindernis ist
das große Wasserreservoir um den Reaktorkern, da Wasser eine sehr wirkungsvolle Barriere
gegen die Freisetzung von gewissen spaltbaren Materialien darstellt. Und zuletzt das
Reaktorgebäude, da es lüftungstechnisch durch Umwältzung im Inneren des Gebäudes so
gut wie von der Umwelt abgeschnitten ist und der geringe Anteil, der dennoch ausgetauscht
werden muß wird über diverse Meßverfahren kontrolliert und bei Übertretung der Richtwerte
sofort die zuständige Zentrale verständigt. Darüber hinaus wurde es so konstruiert,
daß es sogar einem Flugzeugabsturz standhalten würde. Wenn man all diese Faktoren in
Betracht zieht scheint die Behauptung über die Sicherheit des FRM-II gerechtfertigt zu sein.