Bastard Ass(i) Plots On 40
                           Year  2000


                             WARNUNG
Die folgende Geschichte hat ausnahmsweise einen tatsaechlich
brauchbaren paedagogischen Lerninhalt. Wer mit sowas nicht
zurechtkommt, sollte JETZT mit dem Lesen aufhoeren!


Die Suizid-Rate an unserem LEERstuhl ist im letzten Jahr
dramatisch zurueckgegangen. Damit ich nicht wieder einen Anschiss
von unten bekomme, steige ich mit einem Schallpegelmesser in den
Klimaschacht ueber den Rechnerknoten C und pruefe, ob der
Helmholtz-Resonator, den ich dort vor Jahren mit Hilfe eines
alten Ventilators installiert hatte, noch funktioniert. Jeder
Organist und Pfarrer kennt die Wirkung der sog. 'Demutspfeife',
die einen so tiefen Ton abstrahlt, dass man ihn zwar nicht hoeren
kann, der aber bei der 'Zufuehlerschaft' prompte Depressionen
ausloest. Wie ich's mir dachte, ist der Ventilator total
verdreckt und laeuft nicht mehr rund. Mit Frau Bezelmanns
Geschirrhandtuch hole ich den groebsten Tschernobyl-Dreck heraus
und messe kurz darauf wieder in allen Laboren den gewuenschten
18-Hz-Dauerton. Das Geschirrhandtuch entsorge ich in Mariannes
Manteltasche, damit Frau Bezelmann spaeter ein Opfer hat, wenn
sie nach ihrem Handtuch fahndet.

Auf dem Rueckweg zu meinem Buero laeuft mir der Chef ueber den
Weg:
"Ah... aeh... Leisch... gut, dass ich... aeh... dass ich Sie...
 hmm... treffe... aeh..."
Der Chef haelt den Kopf schief und schaut konzentriert zur Decke
hinauf, und einen kurzen Augenblick lang glaube ich schon, dass
er durch irgendein geriatrisches Wunder den 18-Hz-Ton hoeren
kann. Aber dann geht's weiter wie gewohnt:
"...ja... hmm... haben wir uns eigentlich... aeh... eigentlich
 schon mal mit dem... aehm... mit dem... aeh... Dings... dem
 Jahr-2000-Problem... hmm... beschaeftigt?"

( Der Chef sagt immer 'wir' und 'uns', wenn er eigentlich 'Sie'
  und 'sich' meint. Wahrscheinlich denkt er, dass es angemessener
  klingt. So aehnlich wie Al Capone seinerzeit einem seiner
  'Stammkunden' gut zugeredet haben mag:
  Stammkunde: "...Nnnnnnggggh...."
  Al Capone: "Aber mein lieber Giovanni! WIR wollen UNS doch
              keine Unannehmlichkeiten machen, nicht wahr? Nun
              erzaehlen WIR mal ganz brav dem lieben Onkel Al,
              wie die Schweizer Kontonummer lautet..."
  Stammkunde: "... HrrrchUuuuurgh..."
  Al Capone: "... sonst kann es sein, dass die Schlinge um UNSER
              liebes Haelschen noch ein klein wenig enger gezogen
              wird..."
  Stammkunde: "... WuoooorghRoechel..."
  Al Capone: "... und das wollen WIR doch bestimmt vermeiden,
              nicht wahr?"
  Stammkunde: ".... Arrrroeoeoehoeoeh..." )

"Sicher", antworte ich ernsthaft.
"Ich habe mir ausgerechnet, dass ich dann exakt 30 Jahre alt sein
 werde und immer noch nicht promoviert..."
"Ah... hrrrm... nein...", sagt der Chef irritiert,
"... das... das meinte ich... aeh... eigentlich nicht..."
"Nicht? Ach so, Sie meinen sicher das Problem mit Frau Bezelmanns
 Rabenfutter..."
"Aeh... Rabenfutter...?"
"Ich kann wirklich nichts dafuer, dass sie gleich 4000 Dosen
 gekauft hat, bloss weil es ein Sonderangebot bei Aldi gab. Sie
 haette ja nur mal kurz nachzurechnen brauchen, dass der Rabe es
 bis zum Verfallsdatum im Jahr 2000 niemals schaffen wird, auch
 nur die Haelfte aufzufressen..."
"Aeh... Tatsaechlich?" Der Chef schuettelt den Kopf.
"Aber Rabenfutter ist doch... aeh... hrrrm... nein, ich meinte
 eigentlich... aeh... das Problem mit den... aeh... Computern...
 aehm... Sie wissen schon..."
Ich nicke duester:
"Ja, klar. Das schieben wir wohl alle ein wenig vor uns her,
 nicht? Das groesste Problem wird wohl der negative Befehlsfluss
 werden..."
"...?"
"Ja, wenn Silvester '99 alle Systemuhren von 99 auf 00
 zurueckspringen, denkt das Betriebssystem natuerlich ganz
 folgerichtig, dass es sich um einen negativen Zeitsprung infolge
 eines zu hohen Gravitationsgradienten im Rechnergehaeuse
 handelt, und kehrt sicherheitshalber die Ausfuehrungsrichtung
 der Microbefehle im RISC-Prozessor einfach um..."
"...??"
"Faktisch bedeutet das, dass alle Programme ploetzlich
 rueckwaerts ausgefuehrt werden..."
"...???"
"... die Grafikausgabe steht ploetzlich auf dem Kopf, Texte
 werden rueckwaerts ausgedruckt, und natuerlich berechnen sich
 alle positiven Werte ploetzlich negativ..."
"...????"
"... was vor allem bedeutet, dass unsere Januargehalt wohl
 zunaechst mal von unseren Konten ABGEBUCHT werden wird, bis die
 Verwaltung das in den Griff bekommt..."
"Oh!!!"
"... aber eventuell - mit den entsprechenden finanziellen
 Mitteln - liesse sich da schon was machen...", werfe ich
vorsichtig den Koeder aus.

Der Chef ueberlegt einen Augenblick; dann entschliesst er sich,
beherzt zuzubeissen:
"Hrrrm... aeh... wieviel...?"
Ich lege meine hohe Denkerstirne (!) in dekorative Falten, kneife
die Augen zusammen und muemmle in meinen nicht vorhandenen Bart:
"... also mal sehen... 67 Uhren-Chips auswechseln...
 Ausfallzeiten... Einbau und Test... Wochenendzulage... Software
 anpassen... Mehrwertsteuer... na, sagen wir mal so etwa... 3423
 Euro und 40 Cents."
"Wie? Ah so... ja... da muss ich mich... aeh... auch erstmal...
 hmm... erstmal dran gewoehnen... ja... gut, also, dann nehmen
 Sie's aus dem... aeh... SCHWAFEL-Projekt... aeh... da muesste
 noch etwas... aehm... Geld uebrig sein... ja..."

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! 56 Sekunden spaeter lasse
ich mir von Frau Bezelmann (die gerade just in diesem Augenblick
ihr Geschirrhandtuch zu vermissen beginnt) ein
Auszahlungsformular geben. Nebenbei bemerkt wird mein geplanter
Fruehjahrsurlaub auf den Fidschi-Inseln ziemlich genau 6709 Mark
und 86 Pfennige kosten. In manchen Lebenssituationen sind gute
Kopfrechner einfach klar im Vorteil!

Ich gebe Frau Bezelmann noch einen dezenten Tipp wegen ihres
Handtuchs und gehe beschwingt zurueck zu meinem Buero. Und wie um
den erfolgreichen Tag vollends abzurunden, sehe ich einen
Studenten, der sich mit einem langen Stueck Thick-Wire in der
Hand aus den EDV-Labor schleppt. Seine erloschenen Augen suchen
verzweifelt nach einem Haken an der Decke...

Paedagogisch wertvoller Nachtrag:  1 Euro = 1,955 DM


Copyright (c) Florian Schiel 1999