Bastard Ass(i) from Hell 48
Boeoeoeh!! Boeoeoeoeh!!
Mein PAD (Professoren-Annaeherungs-Detektor) schlaegt an. Das ist
schon das fuenfte Mal heute! Normalerweise rennt der Chef nicht
andauernd an meinem Buero vorbei. Es muss sich um jemand anderen
handeln. Ich schaue auf den Gang hinaus und sehe gerade noch den
breiten Ruecken unseres Dekans im Geschaeftszimmer verschwinden.
Wenn die Haeuptlinge sich persoenlich beim Chef zum Kriegsrat
versammeln, ist irgendetwas im Busche. Ich versuche, Mikrophon
und Soundblasterkarte im Rechner des Chefs zu aktivieren. Aber
leider hat er den Rechner wieder einmal ausgeschaltet.
Das Geraeusch stoere ihn, sagt der Chef immer entschuldigend,
wenn ich ihn darauf hinweise, dass sein Rechner schon wieder
nicht am Netz ist.
"Dann bekommen Sie aber keine email", sage ich dann,
"und ausserdem wird der Rechner nicht ge-backuped."
"Schoen... aehm... aeh... ich wollte sagen: Schade... hmm..."
Und dabei bleibt es dann. Im Grunde habe ich den Verdacht, dass
der Chef sowieso keine email beantworten will und deshalb den
Rechner, sobald ich den Raum verlassen habe, wieder ausschaltet.
Fuer mich ist das aeusserst aergerlich, weil dadurch das Zimmer
des Chefs der einzige Raum am LEERstuhl ist, der praktisch
abhoersicher ist.
Es klopft und Frau Bezelmann streckt ihren Kopf herein:
"Sie werden vom Chef verlangt", sagt sie genuesslich.
ALARMSTUFE GELB!
"Nur vom Chef?" frage ich vorsichtig.
Frau Bezelmann zieht ihre Mundwinkel nach unten.
Ihre Augenglaeser blitzen gefaehrlich:
"Der Dekan und der halbe Fachbereichsrat sind auch da",
erklaert sie bedeutungsvoll.
Auf dem Weg zum Geschaeftszimmer gehe ich blitzschnell die
Ereignisse der letzten Monate durch. Der abgeschleppte Wagen des
Kanzlers? Die ueberflutete Tiefgarage? Die Explosion in Labor 3?
Der Schneepflug der Hausmeister? Oder hat die RKfH etwa eine
Dienstaufsichtsbeschwerde gegen mich angestrengt?
Kinkerlitzchen! Ich meine, immerhin hatten wir schon seit ueber
einem Jahr keine Todesfaelle mehr an unserem LEERstuhl...
Apropos! Vielleicht hat es ja tatsaechlich etwas mit dem
UPS-Lieferanten zu tun, der vor zwei Jahren in den zufaellig
nicht abgedeckten Hauptkabelschacht gefallen ist...
Vor der Tuere zum Chefzimmer mobilisiere ich kurz meine
Abwehrkraefte, dann klopfe ich und oeffne die Tuere.
"Ah... ja... aehm... da ist ja... aeh... da kommt ja endlich...
hmm... der Mann, auf den wir... hmm... kommen Sie.. aeh...
kommen Sie nur herein...Setzen Sie sich..."
Der Dekan, drei Professoren vom Fachbereich und natuerlich der
Chef sitzen auf Polstermoebeln hinter halbleeren Kaffeetassen und
grinsen mir freundlich entgegen. Ein wahrhaft erschreckender
Anblick! Ausserdem sitzt da noch eine nicht mehr ganz junge Dame
mit strengen Gesichtszuegen steif auf der Sofakante und
betrachtet mich mit dem uninteressierten Blick eines gerade
gefuetterten Tigers.
"Die... aeh... Herren Kollegen kennen Sie ja... aehm... Leisch.
Und das hier ist... aeh... Professor Icewater aus San Francisco,
die Sie gerne... hmm.... kennenlernen moechte..."
Mrs. Icewater neigt den Kopf mit dem grauen Haarknoten ganz
leicht in meine Richtung. Ich durchforste fieberhaft mein
Gedaechtnis, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr
erinnern, ob der Name Icewater in letzter Zeit in der Mail vom
Chef aufgetaucht ist.
Unser Dekan, Professor Steinbrecher, lehnt sich in den aechzenden
Sessel zurueck und ergreift gewichtig das Wort:
"Professor Icewater hat kuerzlich einen Lehrstuhl der University
of California uebernommen und, nun ja, nach ihrer eigenen
Schilderung geht es dort ziemlich drunter und drueber. Hacker,
unsichere Systeme, ein offenes Computernetz, Viren,
Plattenabstuerze - Sie verstehen?"
Ich beteuere mit dem Brustton des guten Gewissens, dass ich damit
absolut nichts zu tun habe. Und weil es ausnahmweise sogar
stimmt, klingt es richtig ueberzeugend.
Die Professoren schmunzeln.
Sind Sie schon mal fuenf schmunzelnden Professoren gegenueber
gesessen? Ich schalte auf ALARMSTUFE ROT!
"Aber natuerlich nicht", faehrt Professor Felsklauber von der
virtuellen Fluidthermodynamik fort.
"Professor Icewater ist hier, weil sie von unserem hervorragend
organisierten Rechnernetz hier gehoert hat. Sie moechte Sie
gerne - vorausgesetzt natuerlich, dass Sie einverstanden sind -
fuer einige Zeit als Berater mit nach San Francisco nehmen. Was
halten Sie davon?"
Ich starre in sechs erwartungsvolle Professorengesichter.
"Volles Auslandstagegeld und freie Dienstwohnung?"
Die Professoren schauen Mrs. Icewater an. Diese nickt.
"Ok", sage ich.
Der Chef atmet erleichtert auf...
Und damit endet das Buch 'Bastard Ass(istant) from Hell'
(oder 'Das Jahr des Bastards' oder 'Bastard Assistent' oder wie
auch immer der Verlag sich letztendlich entscheiden wird, das
Machwerk zu taufen!).
Verpassen Sie nicht den zweiten Band
'Bastard Ass(istant) in Oversea'
- demnaechst auf dieser Liste!
Copyright (c) Florian Schiel 1996